Diözesanverband Köln
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Arm im Alter

Ist die Altersarmut in Deutschland Wirklichkeit oder nur ein Phänomen?
Vor dem Hintergrund der erneut aufgeflammten Debatte über die Rentengarantie sollten einige Dinge beachtet werden.

Die Rentnergeneration von heute ist finanziell gut ausgestattet, glaubt man den Werbeanzeigen in den Medien. Braun gebrannte, Golf spielende Rentner vermitteln das Bild von wohlhabenden Ruheständlern. Altersarmut scheint nicht zu der stetig wachsenden Gruppe der nicht mehr Erwerbstätigen zu passen.

Was derzeit noch stimmen mag, gilt in dieser Form für die Zukunft jedoch nicht mehr.
Allein die sprunghafte Zunahme der Zahl von Leistungsbeziehern der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung um mehr als 40 Prozent zwischen 2003 und 2005 ist ein erstes Warnsignal für künftige Altersarmut.
Von Altersarmut spricht man, wenn der nicht erwerbstätige Teile der Bevölkerung ihren Bedarf aus den Leistungen der gesetzlichen und privaten Versorgungssysteme nicht decken können.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht davon aus, dass im Jahr 2030 rund 10 Prozent der Rentner von Altersarmut betroffen sein werden.
Der Anstieg der Altersarmut ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Meist sorgen nicht einzelne, sondern die Kombination aus mehreren Faktoren dafür, dass in Zukunft Altersarmut keine Randerscheinung mehr sein wird. Es führen vor allem folgende Ursachen zu Altersarmut:

  • Absenkung des Rentenniveaus,
  • Arbeitslosigkeit,
  • Berufsunterbrechung durch Kindererziehung und Pflege,
  • Niedriglohnjobs und geringes Einkommen durch Selbständigkeit.

Auf die Frage: „Fürchten Sie, im Rentenalter oder- sofern Sie bereits Rentner sind - in den nächsten Jahren Ihren Lebensstandard nicht mehr halten zu können?“ antworteten 72% der Befragten mit „Ja“.
Nach Prognosen der Rürup Kommission und der Deutschen Rentenversicherung wird sich die „Eckrente“ in Westdeutschland wie folgt entwickeln.

  • 2010: 1083 Euro
  • 2020: 1069 Euro
  • 2030: 1024 Euro
  • 2040: 988 Euro

Die Eckrente ist die gesetzliche Altersrente eines Beschäftigten, der 45 Jahre lang das Durchschnittseinkommen von aktuell 30.084 Euro pro Jahr in Westdeutschland verdient. Aber viele Rentner, besonders Frauen erreichen keine 45 Jahre Erwerbsarbeit.

Lösungen sind momentan nicht in Sicht. Die gesetzliche Rentenversicherung ächzt unter der demographischen Entwicklung. Der Gesetzgeber hat bereits reagiert und die Rente mit 67 für die Jahrgänge ab 1964 verabschiedet. In letzter Konsequenz führt dies bei vorzeitiger Inanspruchnahme wiederum zu geringeren Rentenzahlungen.

Wie sieht die Situation in Düsseldorf aus?

Bezogen im Dezember 2003 noch 4.561 Personen ab 65 Jahren Leistungen der Grundsicherung, so hat sich die Anzahl bis Dezember 2008 auf 6.204 erhöht. Das entspricht einer Steigerung um 36%.
Drastisch unterscheiden sich im Jahr 2008 die Anteile zwischen Deutschen und Ausländern. Während die deutschen Beziehenden ab 65 Jahren mit einem Anteil von 3,4% (13.625 Personen) nur relativ gering betroffen sind, liegt dieser bevölkerungsgewichtete Anteil unter den ausländischen Mitbürgern deutlich höher, nämlich bei 31,8% (2.579 Personen). Hinzu kommt, dass es starke geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Leistungsbeziehenden gibt.
Die Mehrheit der Leistungsbeziehenden im Rentenalter lebt in den Stadtteilen Hassels, Garath, Eller, Oberbilk, Bilk und Wersten, angeführt von Oberbilk mit 564 Personen insgesamt. Die Anzahl der bedürftigen Frauen (331) und die der ausländischen Leistungsbezieher (358) ist in Hassels am höchsten.

Eine veränderte Sicht ergibt sich jedoch, wenn nicht nur die Anzahl der Leistungsbeziehenden allein betrachtet wird, sondern diese auf die Zahl der Personen im Alter von 65 Jahren und älter insgesamt in den jeweiligen Stadtteilen bezogen werden. Berücksichtigt man die Zahl dieser Bevölkerungsgruppe, so ergeben sich andere Spitzenreiter. In den Stadtteilen Flingern Süd, Hassels, Oberbilk und Friedrichstadt leben demnach anteilsmäßig die meisten Bezieherinnen und Bezieher von Grundeinkommen im Rentenalter. In Flingern Süd beziehen fast 20% Leistungen, wobei die Zahl der LeistungsbezieherInnen im Verhältnis zur Einwohnerzahl der Altersklasse in Hassels bei rund 16% liegt. In Oberbilk liegt der Anteil bei 13,2% in Friedrichstadt bei 12%.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen stellt sich die Frage, ob der Vorstoß von Herrn Brüderle zur Rücknahme der Rentengarantie berechtigt ist.

Marita Lanze
Katholische Arbeitnehmer Bewegung