Diözesanverband Köln
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Nikolaus Groß Gedenktag am 28. Januar 2017

In brennender Sorge
Nikolaus Groß an die Frauen und Männer der Zivilgesellschaft in Köln heute

Was hätte er uns zu sagen? Was würde er schreiben in diesen Tagen einer unruhigen Zeit, denn „die Güte ist im Lande wieder
einmal schwächlich, und die Bosheit nimmt an Kräften wieder einmal zu“ (B. Brecht). Wir glaubten doch, dies alles sei
Geschichte, wir hätten die Lektion gelernt. Nie wieder würde man in Deutschland Menschen entwerten, mit Hassgeschrei
durch die Straßen jagen und ihnen das Dach über dem Kopf anzünden. Nie wieder würde die soziale Verantwortung in Frage
stehen. Nie wieder würden wir die Welt durch die nationalistische Schießscharte betrachten. Nie wieder würde
zerfallen, was nach Diktatur und Weltkrieg zusammenrückte zu einer humanen, freien und offenen Zivilisation. Hätte er nicht
ein erschreckendes „déjà-vue-Erlebnis“, wenn er uns heute zuschauen würde? Wäre nicht vieles, was wir schon für
selbstverständlich hielten, wieder Utopie? Was würde er tun?
Würde er wieder das „Ja“ seines Glaubens sprechen und das „Nein“ gegen die anschwellende Barbarei? Würde er sich wieder
auf die Seite der Schwachen und Verfolgten stellen? Und würde er dann wieder sehr einsam sein?

Ulrich Harbecke, Journalist und Schriftsteller, versucht, diesem Mann von damals im Heute zu begegnen und seine Stimme zu
hören.