Diözesanverband Köln
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Ein erster, aber unvollkommener Schritt

Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eingebrachten Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit beschlossen. Als KAB (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) begrüßen wir dieses Gesetz und sehen darin einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Seit Jahren weisen wir gemeinsam mit der Katholischen Frauengemeinschaft und anderen Organisationen beim „Equal Pay Day“ daraufhin, dass die Lohndifferenz zwischen Frauen und Männer von 21 Prozent mehr als ungerecht ist. Deshalb haben wir ein entsprechendes Gesetz seit langem gefordert. Denn bisher gab es kein Gesetz, das geeignet war die Forderung „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ voranzubringen. Im Gesetz ist die Einführung eines individuellen Auskunftsanspruches vorgesehen: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen zukünftig ihren Beschäftigten auf Anfrage erläutern, nach welchen Kriterien sie wie bezahlt werden. Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten müssen zudem künftig regelmäßig über Stand der Gleichstellung und der Entgeltgleichheit berichten. Diese Berichte sind für alle einsehbar. Mit diesem Gesetz gelingt nach der Einführung der Quote für Frauen in den Aufsichtsräten nun ein weiterer Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Das Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit zielt auf die Durchsetzung des bereits seit über 50 Jahren geltenden Anspruches von Frauen auf gleiches Entgelt bei gleicher und gleichwertiger Arbeit. Es schafft nun neue Instrumente, um die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Arbeitswelt auch beim Lohn voranzutreiben. Aber es macht auch auf weiterhin bestehende Ungerechtigkeiten aufmerksam: Warum gilt das nur für Betriebe ab 200, bzw. 500 Beschäftigten? Und das Gesetz beseitigt nicht den größten „Knackpunkt“, der darin besteht, dass zwei Drittel der Gehaltslücke darauf zurückzuführen ist, dass Frauen überdurchschnittlich oft in Bereichen arbeiten, in denen grundsätzlich weniger bezahlt wird (Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen). Und sie steigen häufiger auf Teilzeitjobs um, wenn z.B. Kinder zur Welt kommen. So wird das neue Gesetz nichts an den strukturellen Problemen ändern, nämlich dass Frauen eher in Teilzeit oder in schlechter bezahlten Jobs arbeiten oder bei Familiengründungen längere Auszeiten nehmen. Glaubt jemand wirklich, dass das Gesetz Kassiererinnen, Arzthelferinnen oder Altenpflegerinnen zu einem höheren Gehalt verhelfen wird? Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung wird weiter für gerechte, d.h. höhere Löhne für alle kämpfen, besonders für die Beschäftigten in den sog. Niedriglohnbereichen.

Winfried Gather, Diözesansekretär der KAB